nameplate typeFORUM

Suche im typeFORUM:    
Home |  registrieren |  FORUM |  Login
Aktive Besucher

Hier Mitglied werden...
0 Mitglied(er) online.
21 Gäste online.

Hauptmenü
· Suche im typeFORUM
· Suche nach Schriften
· Bücher zum Thema
· Downloads
· Galerie
· weitere Texte
· FAQ
· Font-Glossar
· Typo-Lexikon
· Links

Unsere Themen
· Startseite
· Aktuelles (Apr 19, 2010)
· Amüsantes (Jul 11, 2005)
· Fontdesign (Jun 11, 2010)
· Historie (Dez 01, 2008)
· OpenType (Dez 01, 2009)
· Programme (Jun 17, 2010)
· Sonstiges (Sep 16, 2009)
· Technologie (Nov 02, 2009)
· TrueType (Sep 02, 2004)
· Typographie (Mai 07, 2007)
· Utilities (Feb 28, 2010)

Zitate
Die Schrift ist der Grundstoff allen Druckwerks. Wer kein Auge hat für die Schrift, kann auch den Satz nicht würdigen. Die Schrift könnte und sollte der unmittelbarste, persönlichste Ausdruck unseres Formwillens sein.
--- Peter Jessen

Linotype.com

...das Original.

Text Schriften
   (Bücher, Magazine, ...)
Symbol Schriften
   (Piktogramme, ...)
Handschriften
   (Kalligraphie, ...)
Corporate Schriften
   (für Corporate Design)
festliche Schriften
   (Geburtstage und anderes)
Fraktur Schriften
   (Keltisch, Gothic, ...)
Comic Schriften
   (Kinder und Spaß)
Western Schriften
   (Wie im Wilden Westen)
Coole Schriften
   (modern, technisch, ...)
Bildschirm Schriften
   (Pixelfonts)
Suche hier beginnen...


Historisches: Formenwandlungen der ET-Zeichen
Gepostet von: preusss
& GELESEN ET, IST LATEINISCH UND BEDEUTET »UND«.

Vor einiger Zeit habe ich ein kleines, schmales Bändchen aus den Untiefen meiner Buchregale wiedergefunden. Ein Büchlein, welches mich auf vielen Umzügen begleitet hat. Unscheinbar, olivfarben eingebunden...
Dieses Buch -ich denke, eine Rarität- ist etwas skurill, da es ein Thema behandelt, welches mit Sicherheit sehr wenige so begeistern wird wie mich: die »Formenwandlungen des ET-Zeichens« vom Altmeister Jan Tschichold. Hoch interessant für all jene, die den Hintergründen von Schrift auf der Spur sind.

Die vielen Erscheinungsformen dieses Zeichens sind Ligaturen ganz eigener Art. Das et-Zeichen ist stets eine besonders innige Buchstabenverschmelzung, in der ein Teil des einen Buchstabens entweder in einen Teil des andern übergeht oder diesen gar zugleich bildet. Die Geschichte dieser Zeichen ist fast so alt wie die der römischen Schrift.


Zwar kommt ein et-Zeichen weder in den altrömischen Inschriften noch in den monumentalen Majuskelhandschriften der Römer vor. Aber bereits 79 nach Christus begegnen wir in den flüchtigeren graffiti, schnell hingekratzten Inschriften, einer Ligatur et (Figur 1), die vielleicht als Urahn der et-Sippe angesprochen werden darf.


Zwar berührt hier nur der Mittelstrich des E den Grundstrich des T, aber schon Figur 2, 131 nach Christus, der älteren römischen Kursive entnommen und nur um einen Strich kürzer, ist ein et-Zeichen, das unserer Begriffsbestimmung völlig entspricht. Der Mittelstrich des E bildet zugleich den Querstrich des T. Beide Figuren sind noch sehr einfach. Figur 3, der Mitte des 4. Jahrhunderts nach Christus und der jüngeren römischen Kursive angehörig, ist zwar schwungvoll, aber schon weniger sinnfällig. Wie der T-Teil zustande kam, geht aus einer anderVariante derselben Schriftart (4.) hervor: dem T liegt die spätere runde Unzialform zugrunde. Figur 5 ist die gleiche Form, nur mit äußerster Schnelligkeit hingeschrieben.


Figur 6, aus einer Breitfederschrift des frühen 6. Jahrhunderts, ist nichts anderes als eine strenge Ausformung von 3 oder 5; das E ist einfacher geworden, die Verbindung des waagrechten Hauptstriches des T mit dem Bogen darunter, der dem Mittelstrich des E entwächst, jedoch aufgelöst. Sein Aufstrich stellt, wenn man will, das T auf eine andere Art her, doch ist er kaum so gemeint; er soll nur die Gesamtform schließen. Völlig aufgetrennt ist die ursprüngliche T-Form in Figur 7. Aber schon die Figuren 8 und 9, irisch-angelsächsischen Handschriften entnommen, zeigen erneut, wo wir das T zu suchen haben. Hier ist die unziale Form des T wieder fast vollständig hergestellt. Das Book of Kells, das in irisch-angelsächsischer Halbunziale geschrieben ist, die vielleicht schönste Handschrift des Abendlandes, ist auch das Buch mit den phantastischsten und den meisten Varianten des et-Zeichens. Leider entziehen sie sich jeder Abbildung, nicht nur, weil sie selten für sich stehen, sondern weil gerade die schönsten überreich mit Farben und wundervollem Zierat angetan sind. Das & ist nur eine der zahlreichen Ligaturen, die uns in angelsächsischen Handschriften begegnen. Figur 10 ist die Ligatur eg aus derselben Handschrift wie Figur 6. Figur 11 und 12 zeigen die Form 6 in schnellerer Schrift. Figur 13, das früheste mir bekannte et-Zeichen in der uns vertrauten Antiquaform, ist einer merowingischen Handschrift des B. Jahrhunderts entnommen. Das T ist hier schon völlig verbildet; man könnte meinen, das Zeichen bestehe aus einem E und einem auf dem Kopfe stehenden T. Ich kann dieser Deutung indes nicht zustimmen. Noch immer müssen wir den eingebogenen Haken des obern Schlußstriches als den ursprünglichen Querstrich des T, den nach rechts auslaufenden Strich als den Rest des Bogens eines unzialen T ansehn. Merowingische Merkwürdigkeiten sind 14, 16, 17; 15 aber kommt zusammen mit 14 in derselben Handschrift vor. Der o-förmige Kopf ist in 15 wie schon in 13 für sich geschrieben; dies bleibt bis zum Ende des Mittelalters die Regel. Figur 21 scheint die Meinung, das T sei im & umgedreht, zu bekräftigen; doch ist diese Form eine Ausnahme. 20 und 21 bezeugen wieder ihre Herkunft von Figur 8 oder 9. 23 bis 25 sind keine et-Zeichen, so ähnlich auch zumal Figur 24 einem solchen erscheint, sondern Ligaturen für es, ec, eti; eine kleine Auswahl aus einer Menge noch anderer. 26 und 27 entstammen karolingischen Handschriften und sind in vier Strichen geschrieben. In der karolingischen Minuskel tritt diese Kontraktion nun häufig auf, nicht nur als das Wort et, sondern auch innerhalb von Wörtern: deb& (debet), &iam (etiam), ess& (esset), dissider& (dissideret); ja selbst aet kann durch Anhängen eines Häkchens (z8) dargestellt werden: l&os (letos für laetos). Die Figuren 29 und 30 sind wie Figur 52 von GOUDY nach FRY's Pantographia, 1799, notiert; ich halte sie aber mit GOUDY für Entstellungen oder irrtümliche Deutungen, da sie sonst nicht nachweisbar sind.


Figur 31 ist eine weitere Fassung aus karolingischer Zeit mit einer Art Oberlänge. Formen des et-Zeichens aus der beneventanischen Schrift sind die Figuren 32 bis 35, kaum wesensverschieden von der karolingischen Form. Der schottischen Schrift gehört Figur 36 an, eine sonst seltene Form, in der E und T besonders deutlich erkennbar sind. In 37 ist diese Grundform bereits leicht gebrochen. Ziemlich gewaltsame frühgotische Abwandlungen, ja Entartungen, sind die Figuren 41 und 42. Figur 43 ist das überaus seltene Beispiel eines übrigens wohlgelungenen & in einer gotischen Schrift; in der Regel ist in allen gebrochenen Schriften eine ganz andere Grundform als et-Abbreviatur benützt worden, von der sogleich gesprochen werden soll. Daß die humanistische Renaissance keine eigene &-Form erfand, ist verständlich, versuchte sie doch, die karolingische Schrift so getreu wie möglich zu kopieren (45 bis 48). Form 45 ist immerhin bemerkenswert; man könnte in ihr andere Teile denn sonst als T deuten.


Eine besondere Gruppe unter den et-Zeichen (49 bis 96) geht überhaupt weder auf die ursprünglichen römischen Buchstaben E und T noch auf ihre Minuskelformen e und t zurück, sondern auf ein Sigel der tironischen Noten. Die alten Römer benützten, um Reden aufzunehmen, eine Geschwindschrift, von ihnen selber notae genannt, die fast ganz die Erfindung eines gewissen MARCUS TULLIUS TIRO (103 bis 4 vor Christus) war, eines Freigelassenen und Gefährten des Redners CICERO. Die Form der tironischen Noten hat nichts mit dem römischen Alphabet zu tun. Sie bestehen aus gleichstarken Strichen; schräg, waagrecht und senkrecht sind sorgfältig unterschieden. Das Wort oder die Silbe et hatte die Form eines senkrecht stehenden rechten Winkels mit gleichlangen Schenkeln, ohne besondere Endungen (49).


Im Mittelalter gerieten die ironischen Noten in Vergessenheit. Nur einzelne gelehrte Mönche benützten sie noch, und die Notare bedienten sich ihrer privatim als einer Art Geheimschrift. Ein paar der tironischen Noten aber wurden allgemein als Abkürzungen gebraucht, darunter ein umgedrehtes c, für die Silbe con und das alte et-Sigel. Wir finden daher das tironische Zeichen für et in einigen Schriftarten des Mittelalters; jedoch scheinen die Buchstabenform & und das tironische Zeichen niemals in der gleichen Schrift nebeneinander verwendet worden zu sein. Noch deutlich erkennbar ist das Sigel in der schottischen Schrift (53, 65); das von GOUDY festgehaltene Zeichen 52 aber ist bereits recht verbildet. In den gebrochenen Schriften lebt das tironische Sigel noch lange weiter. Es erhält bald einen Querstrich (58), der in fast allen Abwandlungen der Textur beibehalten wird. Form 72 bedeutet etcetera; die weggelassenen Buchstaben werden durch die beiden Punkte über der Ligatur angedeutet. Die Zeichen 86 und 87 sind etcetera-Fomen aus einer und derselben Schrift. Figur 139, ebenfalls ein etcetera, kommt in der Cancellaresca des PALATINO vor. 87 erinnert noch erkennbar an die tironische Form, aber 86 ist eine schmalgehaltene Umkehrung davon. Eigentlich war 86 ein r, nämlich die rechte Hälfte eines R, die ursprünglich nur nach einem o verwendet werden durfte.


Die große Ähnlichkeit der Formen 81 und 86 verführte die Schriftgießer und Drucker dazu, die Form 86 auch als et-Zeichen zu benützen, da Mißdeutungen unwahrscheinlich waren, und so wurde das Zeichen #, das ursprünglich nicht et, sondern r bedeutete, auch in den Frakturschriften (96) beibehalten, allerdings ohne jemals an die Stelle des deutschen Wortes und treten zu dürfen. Es ist in allen älteren Fraktur-Gießzetteln enthalten und wurde bis in die jüngste Zeit hinein nur in der Verbindung #., etcetera bedeutend, benützt. Jetzt ist es schon fast vergessen; in neueren Frakturschriften gibt es diese Form nicht mehr, da sie niemand mehr braucht.


Aber weder die Textura noch die klassischen Frakturschriften kennen die Figur &. Ist sie dennoch vorhanden, so ist sie eine Zutat des 19. Jahrhunderts von anderer Hand und dem geübten Auge auch als solche erkennbar. Sie wurde nötig, seit Firmendoppelnamen aufkamen. Sonst gibt es in Drucken deutscher Sprache keine Abkürzung für und in der Form des lateinisch auszusprechenden &.


Dieses Zeichen & darf im Deutschen nur zwischen den zwei Namen einer Firma benützt werden. Daß es auch in Firmennamen wie Ernst Müller & Sohn gebraucht wird, zeigt aber, daß es im Grunde doch ein sprachwidriger Fremdling ist. Ein Firmenname Ernst & Friedrich Müller ist zwar denkbar, aber seine Darstellung mit dem Zeichen & (oder &) gefällt uns nicht.


Im Englischen und im Französischen jedoch darf das Zeichen & selbst in Texten auch an Stelle der Wörter and und et benützt werden. Es hilft zumal in englischen Liebhaberdrucken, wenn eine Zeile mit einem ausgeschriebenen and gar zu eng wird, und darf selbst dann verwendet werden, wenn das and in anderen Zeilen ausgesetzt wird.


Figur 97 ist kaum ein eigentliches et-Zeichen, sondern eher das ligierte Et vom Anfang eines Satzes. Mit 98 wird eine Reihe von et-Zeichen aus Antiqua-Schriften von Frühdruckern eröffnet, die, obwohl nach dem Duktus der Vorlage verschieden, doch alle der karolingischen Grundform folgen. Das von LEWIS F. DAY notierte Zeichen 104 soll ebenfalls dem 15. Jahrhundert angehören, doch gibt er leider keinen Nachweis. 106 und 107 sind reichlich verdorbene et-Zeichen aus einer englischen Hofschrift. 108 und 109 entstammen einer andern in englischen Kanzleien gebräuchlich gewesenen Schrift; sie sind eher reine Ligaturen und wohl vorwiegend am Anfang von Sätzen verwendet worden wie Figur 97. 110 ist schwerlich einer Hauptgruppe zuzuzählen.


Die entzückende Figur 111, von GOUDY notiert, mag einer Bâtarde, der französischen Schwesterform unserer Sdlwabacher, entnommen sein. Trotz ihrem spätgotischen Charakter vertritt sie in unserer Übersicht zugleich den Prototyp des et-Zeichens in seiner Kursivform, das sich vom Antiqua-& erheblich unterscheidet. Die linke Hälfte des typischen Kursiv-& ist entweder ein Minuskel-e oder dessen aus zwei Bogen gebildete Versal-Variante (wie in 120); die rechte Hälfte ist in der Regel ein viel deutlicheres T (siehe 114, 140) als in der Antiquaform &.


Manchmal haben die Schriftgießer zu einer Schrift und zu demselben Grad mehr als nur ein et-Zeichen geschnitten, aber wohl nur selten mehr als drei verschiedene. Die Schreibmeister aber durften ihrer Erfindungskunst in ihren Vorlagenbüchern die Zügel schießen lassen. Diese Schreibbücher der Renaissance und der Barockzeit ergeben daher die reichste Ausbeute an Varianten von et-Zeichen. Die meisten sind Abwandlungen des Kursiv-&; doch kommt auch die leicht schräggestellte Antiquaform & noch lange sowohl in Kursivdruckschriften (122) als auch innerhalb der Cancellaresca, wie die Verkehrsschrift der italienischen Renaissance heißt, vor (115, 116, 133, 134, 136). LUDOVICO VICENTINO verwendet eine ganze Reihe von Varianten, die das Bild seiner Cancellaresca-Vorlagen anmutig beleben. Die Figuren 112 bis 119 bilden nur eine Auswahl. Noch weniger vollständig ist unsere Reihe der et-Formen des GIUAMBATTISTA Palatino (127 bis 139); sein Schreibbuch ist eine ergiebige Quelle auch von &Abwandlungen. Von persönlicher Eigenart sind zumal die Figuren 113 und 13 o. Auch GERARD MERCATOR kann sich nicht genug darin tun, seine Seiten mit immer anderen, weithin schleudernden et-Zeichen zu schmücken; nur ein paar von ihnen ließen sich hier abbilden. Die Figur 152 des Zürcher Schreibmeisters URBAN WYSS entfernt sich schon weit von der üblichen Grundform.


Als vollkommene Gestalt erweist sich auch in dieser kleinen Schriftgeschichte das & des großen Schriftschneiders CLAUDE GARAMOND (154); es wurde zum Modell für Generationen. Nicht weniger formvollendet ist das & der Kursiv ROBERT GRANJONS (155), welche die berühmte Antiqua Garamonds in weiblicher Anmut begleitet.


Unter den nachfolgenden et-Zeichen aus Schreibbüchern des 16. Jahrhunderts sind die Figuren von BEAUCHESNE und BALLDON besonders reizend; eine jede ist ein kleines Kunstwerk auf geringstem Raum (168 bis 183).


Der Drucker CHRISTOPH PLANTIN führt in einer Kursiv nicht weniger als drei verschiedene Varianten des & (189 bis I91), um jeder Eintönigkeit zu begegnen. JEAN DE TOURNES' & ist eine edle Form von bleibender Gültigkeit (197).


Die übersprudelnd tollen Formen des JEAN DE BEAUGRAND (195 bis 202) sind ganz vom Geiste des Barocks erfüllt. Neben ihnen erscheinen die entzückenden Spielarten LUCAS MATEROTS, den ich den Mozart der Kalligraphie nennen möchte, beinahe maßvoll (203 bis 212). Erst in dem Engländer RICHARD DANIEL begegnet uns wieder ein Meister von verwandter Phantasie (235 bis 239). Eine hübsche, in Schiefer gegrabene Form ist die von GOUDY aufgezeichnete Figur 240. Die Figuren 215 und 216 sind die et-Zeichen des JEAN JANNON, Sedan 1671, Abdrücke nach den Stempeln der heute in der Imprimerie Nationale aufbewahrten und früher irrtümlich CLAUDE GARAMOND zugeschriebenen Caractères de l'Universite.


Das 18. Jahrhundert bringt keine echten Neuerungen mehr; es zehrt, was die Grundformen angeht, von den Formen des Barocks. Linienführung, Druckverteilung und Formung der Endungen drücken jedoch, wie stets, den leicht veränderten Stilwillen aus. 254 und 255 gehören noch als Nachzügler in die Gruppe der tironischen et-Sigels; sie sind deren letzte Vertreter. Besondere Erwähnung verdient das übermütige kursive & eines echten BASKERVILLE-Schnittes (Figur 264), dessen Stempel kürzlich von CHARLES PEIGNOT der Universität Cambridge geschenkt worden sind; denn das e ist hier nicht geschlossen. BODONI, WALBAUM und DIDOT (269 bis 274) leiten zum & der Gewöhnlichen Antiqua des 19. Jahrhunderts über (778). Figur 276 ist das & der Italienne, jener absurd geformten Antiquaschrift, in der die dicken Striche in dünne und die dünnen in dicke Striche verwandelt sind. Den Rest unserer Entwicklungsreihe bilden kurios deformierte &-Zeichen nordamerikanischen Ursprungs aus der wilden Zeit um 1880 (285 bis 288).


Um 1889 begann mit den Bestrebungen des Engländers WILLIAM MORRIS die Erneuerung der Typographie und der Buchkunst. Die seither vergangene Zeit hat eine solche Fülle zwar nicht immer anmutiger, doch meistens gesunder Variationen der klassischen Hauptformen des et-Zeichens erzeugt, daß es unmöglich wäre, sie in einer knappen Übersicht gerecht darzustellen. Dem Schriftfreunde sind sie auch so geläufig, daß darauf verzichtet werden kann.


Wie treffend die einzelnen Formen den Zeitstil in jedem Gliede, in der Verteilung des Druckes, in den Proportionen und in der Gestalt der Endungen ausdrücken, ist schwer in kurze Worte einzufangen, aber gut aus unseren Figuren ersichtlich. Jeder einzelne Buchstabe unseres Alphabets ließe sich so durch die Jahrhunderte verfolgen.


Aber kaum einer würde so sinnfällig den Wandel des Formwillens spiegeln. Die et-Formen der Antiqua und der Kursiv sind selbst heute noch nicht völlig kanonisiert und bieten, noch immer, erstaunlich viel mehr Möglichkeiten der Abwandlung als irgendein Zeichen des Alphabets, gerade weil sie mit diesem nur lose verknüpft sind.

J•T




[1] Graffiti aus Pompeji, 79 nach Christus.
[2] Ältere römische Kursive, Rohrfeder, 131 nach Christus.
[3] Jüngere römische Kursive, Mitte des 4. Jahrhunderts.
[4] Jüngere römische Kursive, um 346 nach Christus.
[5] Jüngere römische Kursive, 344 nach Christus.
[6] Aus einer Handschrift (St. Hilarius), vor 509.
[7] Aus einer Handschrift (St. Maximus), 7. Jahrhundert.
[8] Aus dem Book of Kells, 7. Jahrhundert.
[9] Aus einem angelsächsischen Evangelistar, 8. Jahrhundert.
[10] Ligatur eg aus einer Handschrift (St. Hilarius), vor 509.
[11, 12] Angelsächsisch, 7. bis 8. Jahrhundert.
[13] Merowingische Schrift, 8. Jahrhundert.
[14, 15] Merowingisch (Lektionar aus Luxueuil), sp. 7. Jahrh.
[16, 17] Merowingisch, sog. Schrift von Corbie, 8. Jahrh.
[18] Merowingische Schrift, 8. Jahrhundert.
[19] Aus einer Handschrift (St. Hieronymus), 744.
[20, 21, 22] Norditalienische Halbkursive, 8. Jahrhundert.
[23, 24, 25] Ältere norditalienische Minuskel, Ligaturen es, ec, eti, 8. bis 9. Jhrt.
[26] Aus einer Handschrift (St. Augustinus), vor 814.
[27] Karolingische Minuskel, 810.
[28] Handschrift, vor 848.
[29, 30] 9. Jahrhundert.
[31] Karolingische Minuskel, 862.
[32, 33, 34, 35] Beneventanische Schrift, 9., 10. Jahrhundert, 1082, 11. Jahrhundert.
[36] Schottische Schrift, 9. Jahrhundert.
[37] Aus einem englischen Pontificale, 10. Jahrhundert.
[38] Karolingische Minuskel, 1019.
[39] Späte karolingische Minuskel, Salzburg, Mitte des 12. Jh.
[40] Englische Urkunde, um 1120 - 41: Flämisch, 1148.
[42] Englisch, 1150.
[43] Flämisch, um 1160.
[44] Beneventanische Schrift, nach 1260.
[45] Humanistische Minuskel, 1422.
[46] Humanistische Minuskel, Italien, 15. Jahrhundert.
[47] Humanistische Minuskel, 1453.
[48] Humanistische Minuskel, 15. Jahrhundert.






[49] Das tironische Sigel für et. Um Christi Geburt.
[50] Tronisches et-Sigel, 1. Jahrhundert nach Christus.
[51] Angelsächsisch, 891. 52: Zeit Karls des Großen, 9. Jahrh.
[53] Sigel et in der schottischen Schrift, zwischen 1069 u. 1082.
[54] Englische Urkunde, 1087.
[55] Frühgotische Schrift, um 1110.
[56] Frührotunda, um 1200.
[57, 58] Frühgotische Schrift, Frankreich, 1206, 1258.
[59] Aus einer Handschrift (Petrus Comestor), 1283.
[60] Aus dem Domesday Book, 1086.
[61] Textur, 1317.
[62] Litera Bononiensis, 1353.
[63] Urkunde, 1379. 64: Saxonisch, Domesday Book.
[65] Schottische Schrift, 12. bis 13 . Jahrhundert.
[66] Charta König Johns, i Zoo. 67: Coster zugeschrieben, 1444.
[68] Aus Gutenbergs Zweiundvierzigzeiliger Bibel, 1455.
[69] Johann Fust und Peter Schöffer, Psalter von 1457, Mainz.
[70] Johann Fust und Peter Schöffer, Durandus, Mainz 1459.
[71] Georg Husner, Straßburg, 1470.
[72] Günther Zainer, Bücheranzeige, Augsburg, 1471.
[73] Joh. Sensenschmidt.
[74] Colard Mansion, Brügge, 1484.
[75] Aus Erhard Ratdolts Schriftprobe, Augsburg, 1486.
[76] Steffen Arndes, Missale Slesvicense, 1486.
[77] Saint Augustin Flamand des Henrik Lettersnider, um 1490.
[78] Christian Snellaert, 1495.
[79] Holländ. et-Sigel, Versal. (wahrscheinlich Fleischmann-Gotisch, Enschedé)
[8o] Wolfgang Hopyl, Paris, 1514.
[81] Abwandlungen von Figur 70. 82: et-Sigel mit Haarstrich.
[83] Caxton, Westminster, 1477, 84: J. Zainer, Ulm, um 1478.
[85] Rotunda, Stahel und Preinlein, Brünn, 1488.
[86] Textur, Konrad Kachelofen, Leipzig, um 1495.
[87, 88] Zweierlei etcetera aus dem Diurnale von 1514.
[89] etcetera, Teuerdank, Hans Schönsperger, Augsburg, 1517.
[90] etcetera von der Ehrenpforte Kaiser Maximilians, 1518.
[91] W. Fugger, Nürnberg 1553. 92 : Cölnisdi Current Fraktur.
[93] Civilité, Robert Granjon zugeschrieben, i6. Jahrhundert.
[94] Civilité, Christoph Plantin, Antwerpen, 1573.
[95] Antiqua-Alphabet des Jehan de Beauchesne, 1580.
[96] et-Sigel der Lutherschen Fraktur, 1708.






[97] Aus einem Gnadenakt König Henrys VI., England, 1446.
[98] Johann Mentelin, Straßburg, 1460.
[99] Michael Friburger und Ulrich Gering, Paris, 1470.
[100] Antiqua des Nikolaus Jenson, Venedig, 1471.
[101] Antiqua des Johann Zainer, Ulm, um 1475.
[102] Gotische Antiqua des Lienhart Holle, Ulm, 1482.
[103] Bazalerius de Bazaleriis, 1498.
[104] et-Zeichen des 15. Jahrhunderts, nach Lewis F. Day.
[105] Antiqua von Peter Quentell, im Besitze der Enschedés.
[106] Englische Hofschrift, 16. Jahrhundert.107] Englische Hofschrift, 16. Jahrhundert.
[108] Englische Hofschrift, 1530.
[109] Englische Hofschrift, 1578.
[110] Englische Hofschrift, 1673.
[111] Kursives et des Bernard Lescuyer, Lyon; 1506.
[112-114] Aus dem Schreibbuche Lo operina da imparare di scriuere littera Cancellaresca des Ludovico icentino, Rom, 1522.
[115-119] Aus dem gleichen Buche.
[120] Aus dem Schreibbuche La vera arte de lo excellente scriuere des Giovanantonio Tagliente, Venedig, 1524.
[121] Aus dem gleichen Buche.
[122] Kursive et-Type aus dem gleichen Buche.
[123] Aus der Kursiv des Hans Singriener aus Wien, in De pace des Demosthenes, Krakau, Hieronymus Vietor, 1531.
[124, 125] Aus dem Schreibbuche Anweysung einer gemeinen hanndschrift Johann Neudörffers des Ältern, Nürnberg, 1538.
[126] Simon de Colines, Paris, 1536.
[127-132] Aus dem Schreibbuche Libro nuovo da imparare tutte Sorte lettere des Giuambattista Palatino, Rom, 1540.
[133-138] Aus dem gleichen Schreibbuche.
[139] etcetera aus demselben Buche.
[140] Aus dem Schreibbuche Literarum latinarum ratio des Gerardus Mercator, Löwen 1540.
[141-144] Aus demselben Buche.





[145] Noch ein et-Zeichen von Gerard Mercator, 1540.
[146] Noch eins.
[147-152] Aus dem Schreibbuche Libellus valde doctus des Urban Wyss, Zürich 1549
[153] Aus einer Antiqua des 16. Jahrhunderts, unbekannten Ursprungs, jetzt Eigentum von Joh. Enschedé en Zonen, Haarlem.
[154] Das et-Zeichen der Antiqua Claude Garamonds, um 1540, nach dem Parangon-Grad der Frankfurter Schriftprobe von 1592.
[155] Das et-Zeichen der Kursivschrift Robert Granjons, nach dem Parangon-Grad der Frankfurter Schriftprobe von 1592.
[156, 157] Aus dem Schreibbuche Opera des Vespasiano Amphiareo, Venedig 1554.
[158, 159] Aus der Ausgabe desselben Buches von 1564.
[160, 161] Aus dem Schreibbuche Opera des Augustino da Siena, Venedig, 1565.
[162-164] Aus dem Schreibbuche Essemplare utile des Giuliantonio Hercolani, ohne Ortsangabe, 1571.
[165, 166] Aus dem Schreibbuche 11 perfetto Scrittore des Giovanni Francesco Cresci, Venedig, 1569.
[167] Aus Essemplare di piu sorti lettere des Giovanni Francesco Cresci, Rom, 1560.
[168-178] Aus dem Schreibbuche A booke containing divers sortes of hands von Jehan de Beauchesne und John Baildon, London, 1571.
[179-183] Aus demselben Buche.
[184] Aus dem Antiqua-Alphabet des Schreibbuches Le Trésor d'Escriture des Jehan de Beauchesne, Lyon 1580.
[185, 186] Aus einem Schreibbuche des Pierre Hamon, 1580.
[187, 188] Aus dem Schreibbuche des Andres Brun, Saragossa 1583.
[189-191] Drei verschiedene et-Zeichen aus Christoph Plantins De Curatione, Antwerpen, 1583.
[192] Jean de Tournes, Lyon, 1584.





[193, 194] Von einem unbekannten englischen Schreiber, 1590.
[195 - 202] Aus dem Schreibbuche Poecilographie des Jean de Beaugrand, Paris 1601.
[203 - 212] Aus dem Schreibbuche Les Oeuvres des Lucas Materot, Avignon, 1608.
[213] Aus dem Schreibbuche Il terzo libro delle cancellaresche corsive des Francesco Periccioli, Neapel, 1619.
[214] Aus dem Schreibbuche Le Paranimphe des François Desmoulins, Lyon, 1625.
[215, 216] Die et-Zeichen des Jean Jannon, Sedan 1621.
[21 7] Aus der kalligraphischen Kursivtype des Pierre Moreau, Paris 1644.
[218] Kursiv des Christoffel van Dijdi, um 1640, jetzt im Besitz von Job. Enschedé en Zonen, Haarlem.
[219, 220] Aus der Antiqua und der Kursiv des Anton Janson, Leipzig, um 1670, jetzt im Besitz der D. Stempel AG.
[221] Aus der Schrift Union Pearl, London, vor 1690, jetzt im Besitz von Stephenson, Blak & Co. in Sheffield.
[222] Kalligraphisch, 17. Jahrhundert.
[223] Aus dem Schreibbuche Pen's Excellencie des Martin Billingsley, London, 1618.
[224] Aus dem Schreibbuche Introduction to the True Understanding des David Browne, London, 1638.
[225, 226] Aus einem Schreibbuche des Jean Baptiste Allais de Beaulieu, Paris 1680.
[227 - 230] Aus dem Schreibbuche Primera parte des Joseph de Casanova, Madrid 1650.
[231] Aus dem Schreibbuche Pen-man's Recreation des James Hodder, London 1659.
[232, 233] Aus Schreibbüchern des Edward Cocker, London, 1660 und 1673.
[234] Aus dem Schreibbuche Multum in Parvo des Edward Codier, London, 1661.
[235 - 239] Aus dem Schreibbuche Compendium of the Usual Hands des Richard Daniel, London 1664.
[240] Inschrift in Schiefer, 1665, Westminster Abbey.





[241] Aus einem Schreibbuche des Franzosen Lesgret, 1694.
[242, 243] William Elder. London, um 1695.
[244] John Seddon. London, um 1695.
[245] John Ayres, London, um 1698.
[246, 247] George Shelley, London, 1710.
[248, 249] William Caslon, London, um 1728.
[250, 251] Aus einem Schreibbuche von Lesgret, 1736.
[252] Pierre Simon Fournier, 1742.
[253] Pierre Simon Fournier, Batarde Coulée, 1749.
[254] Aus William Caslons Old Black, 18. Jahrhundert.
[255] Duyts von Joan Michael Fleischmann, Haarlem, 1748.
[256] Joan Michael Fleischmann, Haarlem, 1757.
[257] Aus der Ecriture von Joan Michael Fleischmann, 1757.
[258] Kleine Canon Romein von J. M. Fleischmann, 1757.
[259] François Gando le jeune, Paris 1754.
[260, 261] Paillasson, L'Art d'Ecrire, Paris, 1760.
[262] Delacolonge, Lyon, 1773.
[263] Fry's Ornamented Number Two, London, vor 1808.
[264] Kursiv aus einem Originalschnitt Baskervilles.
[265, 266] Baskerville Old Face und Old Face Open, 19. Jahrh.
[267, 268] Bell Roman und Bell Italic, um 1788.
[269] Nachschnitt nach Bodoni, Bauersche Gießerei.
[270, 271] Heutige Formen der Bodoni-Antiqua und -Kursiv.
[272, 773] Walbaum-Antiqua und -Kursiv, Anfang 19. Jahrh.
[274] Firmin Didot, Anfang des 19. Jahrhunderts.
[275] Thorne Shaded, London, um 1810.
[276] Fette Italienne, Baker & Greele, Boston, 1825.
[277] Initiales normandes larges, 19. Jahrhundert.
[278] Gewöhnliche Antiqua, Mitte des 19. Jahrhunderts.
[279] Steinschrift, Mitte des 19. Jahrhunderts.
[280] Clarendon der Haas'schen Schriftgießerei, Münchenstein.
[281] French Clarendon Italic, Nordamerika, Ende 19. Jahrh.
[282] Italic Ornate, ebenso.
[283] Taille-douce. Deberny & Peignot, Paris, 19. Jahrh.
[784] Condensed Sans, englisch, Mitte des 19. Jahrhunderts.
[285] Dainty.
[286] Bastardschrift;
[287] Banquet.
[288] Trinal.



Alle Rechte an diesem Text liegen bei Edith Tschichold, Berzona/CH.
Diesem Text liegt die Ausgabe der in der D. Stempel AG Frankfurt am Main herausgegebenen Fassung von 1953 zugrunde.
Die Fonts wurden von ingo preusss (preussTYPE.com) auf der Grundlage der in dieser Fassung publizierten Abbildungen erstellt.
Die sechs digitalen Fonts unterliegen der GNU-Public Lizenz.

ET-Fonts als TTF (Win) | ET-Fonts als TTF (Mac)



Notiz: Es bleibt nur noch darauf hinzuweisen, daß Herr Andreas Stötzner die vorliegende Arbeit um sehr viele (und vor allem neuere Glyphen!) erweitert und neu herausgegeben hat: signographie.de
Begrenzung
Für den Inhalt der Kommentare sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.
Re: Formenwandlungen der ET-Zeichen (Punkte: 1)
von MiCHi (mic@typolis.de)
am 14 Aug 2002 - 02:52
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.typolis.de
Da hast du dir ganz schön Mühe gegeben (oder ein gutes OCR-Programm, wahrscheinlich beides ;)
Aber ich gebe dir Recht. Ich habe ebenfalls die Ausgabe von 1953 (gabe es auch andere?). In Antiquariaten bekommt man dieses kleine, unscheinbare Heft fast nachgeschmissen. Muss man besitzen!




Impressum | Kontakt | Datenschutz | Haftungsausschluss | RSS-Feed