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Zitate
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Man sollte nicht sein ganzes Leben nur mit Buchstaben verbringen, es gibt ja auch noch die Typografie! --- Hans Peter Willberg
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3. Typographie-Konferenz in Thessaloniki vom 20. bis 23. Juni 2007
Ein Rückblick von Andreas Stötzner
Zum dritten Male veranstaltete die Mazedonische Universität Saloniki Ende Juni eine Internationale Typographie-Konferenz. Das umfangreiche Vortragsprogramm der vier Tage bot Referenten aus Griechenland und dem Rest der Welt auf, mit einem entsprechend breiten und interessanten Themenspektrum (siehe auch ictvc.org). Mit einer – notgedrungen sehr kleinen – subjektiven Auswahl möchte ich einige Eindrücke von den Vorträgen weitergeben.
Manolis Savidis (Athen) ging ironisch und beispielreich der Frage der »Greekness« im typographischen Alltag nach – oder zumindest dem, was die Anwender eines häufig anzutreffenden, archaisierenden Schrifttyps offenbar für ›typographisches Griechentum‹ halten. Das spitze E dieser scheinbar so sehr nach Sokrates und Leonidas aussehenden Schrift jedenfalls – hat es in der antiken Epigraphie nie gegeben :-).
Arafat Al-Naim (Amman) stellte zeitgenössische arabische Logotypen im Spannungsfeld von tradierter Kalligraphie und modernem Produkt-Design vor. Westliche Handelsmarken werden für den arabischen Markt in einer gedoppelten Fassung verwendet: zum lateinischen Original (»Coca-Cola«) tritt ein arabischer Schriftzug, der den Schriftduktus und die Lautung des Namens imitiert.
Nachdenklich stimmte der Vortrag Anette O’Sullivans über Gefallenendenkmäler Neuseelands und ihre Typographie. Wertewandel und die Emanzipation des neuseeländischen Selbstverständnisses (vom englischen Mutterland) werden anhand der Gestaltung von Kriegerdenkmalen aus Vergangenheit und Gegenwart sichtbar.
Die Kunst des politischen Protestplakates präsentierte Maria Nicholas (New York) mit einer beeindruckenden Diasammlung und einer Analyse der verschiedenen Bildtechniken, mittels derer solche Plakate gestaltet werden (Photo, Collage, Bildverfremdung etc.).
Paul Stiff (Reading) wartete mit einer ebenso erhellenden wie amüsanten Lektion über ›ungestaltete‹ Wegeskizzen und Lagepläne auf, die er in zwanzig Jahren zusammengetragen hat. Diese ›topographischen Schmierzettel‹, von irgendjemandem auf einer Serviette oder einem Busfahrschein hingeworfen, sind weder objektiv noch maßstäblich und funktionieren doch – oder gerade deshalb – mit verblüffender kommunikativer Effizienz.
David Lemon (Mountain View, CA) sinnierte über die anscheinend gegensätzlichen Konzepte von »natürlich« und »technisch« und erläuterte anhand der jüngeren Entwicklung der Fonttechnik seine Beobachtung, dass die zunehmende technische Komplizierung (Stichwort: Opentype) im Ergebnis durchaus zu einer Belebung oder »Humanisierung« des Schriftwesens führt, denkt man etwa an kalligraphische Schriften, in die skriptive Formvariabilität durch entsprechende Feature-Programmierung eingebettet ist.
Viktor Gaultney (Reading) sprach über die Bemühungen von SIL International, auch ›entlegenenen‹ unverschrifteten Sprachen zu Verschriftung und Fontierung zu verhelfen; sowie über sein neues Netzwerk-Vorhaben Scriptsource-Community.
Abschließend ein Kompliment an die gastgebende Stadt! Saloniki ist kosmopolitisch, dicht, urban, ungemein geschäftig und – heiß. Das letztere gilt auch für das typographische Straßenbild: ein Feuerwerk an Schriften und Schildern … Da hilft dann nur Abkühlung durch einen Blick entlang einer der Querstraßen aufs offene Meer – oder ein geeister Ouzo.
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