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Autor: Betreff: versal ß - HEIßE Kiste

Administrator





Beiträge: 810
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  erstellt am: 1.6.2005 um 07:39
Hiermit eröffne ich eine Diskussion um die Form eines neu zu schaffenden Großbuchstaben für das momentan nur als Kleinbuchstabe existierenden Buchstaben ß. Herr Stötzner hatte es schon einmal in diesem Beitrag versucht, aber damals ging der Aufruf ziemlich sang- und klanglos unter. Deswegen hier nochmal ein neuer Aufruf...

Vorschläge bitte in dieses Forum posten (Bitte als GIF, PNG, JPG). Wer nicht weiß wie es geht, sendet diese Bilder bitte an »preuss AT typeforum.de« und ich werde sie hier präsentieren.

Hintergrund ist die immer wieder aufflammende Diskussion um das versale ß - letztmalig in diesem Beitrag. Um aber endlich eine Grundlage für die neue Form zu haben und die Frage zu beantworten, wie dieser neuer Buchstabe prinzipiell aussehen könnte, bitte ich darum in ein bestehendes Alphabet (z.B. Helvetica, Dax, Garamond) einen neuen Buchstaben einzufügen, der eindeutig ein versales ß darstellt.

Wer entsprechendes Bildmaterial hat, was bisher in diese Richtung gemacht wurde, kann diese Beispiele bitte hier ebenfalls posten, damit man einen historischen Anhaltspunkt hat.

Weitere Vorschläge zur Vorgehensweise?

--
Wer meint, er verstehe was von Schrift, weil er es ja lesen könne, irrt sich gar sehr. (Jan Tschichold)

 
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Beiträge: 282
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  erstellt am: 1.6.2005 um 16:15
Es ist zwar keine Garamond, aber dennoch ein klassisches Design.

Hier habe ich die traditionellste ß Form versalisiert. Wichtig für mich ist die Harmonie in Extremfällen, in denen auf das ß ein S folgt. Durch den optisch großen Weißraum (entgegen der Leserichtung) zwischen ß und S werden die Wortstämme besser erkannt. Ein Verwechslung mit dem Buchstaben B ist ausgeschlossen.


 
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Member




Beiträge: 57
Registriert: 26.5.2004
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  erstellt am: 1.6.2005 um 19:51
Ich habe ein größes Problem damit. Nämlich, das Eszett ist keine Buchstabe. Ich finde die historische Beispiele von Ehmcke, u.a. schön (und die neue Beiträge von Andreas S. und Andreas S. sind auch sehr Bemerkenswert), aber das macht diesen Ligatur nicht zum 27. Buchstabe.

Ein Eszett ist ein Ligatur von einen Langen-s und ein Schluß-s. Der s hat im Klein zwei Formen, in Großen nur einen. Es gibt keinen großen Langen-S. Wie kann mann einen großen Eszett ohne einen großen Langen-S?

Klar ist es, das es einen Rechtschreibungsproblem gibt. Das Eszett kann entweder als SS oder SZ geschrieben. Sinnvoller wäre es m.M.n. z.B. diese Frage aufzuklären (nämlich, ß kann nur ss sein). Sag mir bitte nicht, dass das Ding auch noch SZ ausgechrieben muss, nur weil es ein "Es-zett" heißt

Mann kann Sprache ändern. In die Zukunft, es könnte durchaus möglich sein, dass Leute ein großes Eszett benutzen. Aber so ist es mit der Sprache heute nicht, und in der Tradition mehr oder weniger auch nicht. Die Frage ist, warum es eigentlich gebraucht ist. Klar, es "könnte" die Sprache schöner machen, auf eine visuelle Ebene. Aber das finde ich relative Oberflächlich.

[Editiert am 1/6/2005 von Dan_Reynolds]

 
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Administrator




Beiträge: 130
Registriert: 9.8.2002
Status: Offline

  erstellt am: 1.6.2005 um 22:31
Gerrit hat in seinem Weblog einen kurzen Artikel veröffentlicht, in dem auf diese Diskussionhier (bzw. den Artikel bei typeFORUM) Bezug genommmen wird.
Hierin verlinkt er auch zum Wikipedia-Eintrag Scharfes S.
Beides sehr Lesenswert!

MiCHi

--
Eine Schrift ist nicht gemacht,
um schöne Worte zu machen.
Eine Schrift ist gemacht,
um Worte schön zu machen
(Kurt Weidemann)

 
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Junior Member




Beiträge: 19
Registriert: 30.9.2004
Status: Offline

  erstellt am: 2.6.2005 um 10:15
Ganz klar gehört hier meiner Meinung nach eine verbindliche Sprachregelung: aus ß wird Versal-SS. Im Schriftsatz wäre dies mit OpenType ein leichtes Unterfangen. Ein neuer Buchstabe ist unnötig. Was man in Unicode vorsehen könnte, wäre ein Platz für eine SS-Belegung, genauso wie es das für IJ, NJ, LJ oder D/Zcaron gibt.

Schöner Buchstabe in der Schrift Adana. Wenn ich aber nur die erste Zeile vor mir habe, lese ich zunächst GROBSTADT. Ein geeignetes Versal-ß müsste also eine völlig neue Form haben – weg vom Minuskel-ß und weg vom B. Wozu aber noch einen neuen Buchstaben? Wenn eine Ligatur, dann eine aus zwei Versal-S. But who cares? ß = SS

--
|| Jürgen Weltin
|| www.typematters.de

 
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Member




Beiträge: 146
Registriert: 5.8.2002
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  erstellt am: 2.6.2005 um 10:37
quote:
But who cares? ß = SS


Weil das – spätensten mit der neuen Rechtschreibung – ein haarsträubendes Konstrukt ist.
Gruß hat ein Eszett und wird also mit langem Vokal gesprochen.
Kuss hat ein Doppel-S und wird also kurz gesprochen.
GRUSS hat ein Doppel-S und wird also kurz gesprochen; wie Kuss. Oder doch nicht? Hoppla, da stimmt ja was nicht …
Das ist also phonetisch totaler Mist. Die Schreibung muss sich der Sprache anpassen bzw. dieser entsprechen, was hier aber völlig misslingt. Das ist weder einen Schulkind noch der breiten Masse vernünftig zu erklären.
Meiner Vermutung nach, würde sich speziell letztere überhaupt nicht über eine Einführung eines Versal-Eszett wundern, da den meisten dessen Abwesenheit nie wirklich bewusst war.

Ralf

 
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Beiträge: 2
Registriert: 3.6.2005
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  erstellt am: 3.6.2005 um 06:33
Wie das große ß eigentlich aussehen soll oder kann, das sehe auch ich als nicht unerhebliche Frage an. Auch scheint es, daß man aus Unsicherheit gerade über diesen Punkt die in der Vergangenheit verschiedentlich gemachten Vorstöße wieder hat fallen lassen, da die gemachten Entwürfe unausgegoren und somit nicht überzeugend waren. Damit ist aber nicht bewiesen, daß es nicht geht.

Ich möchte speziell zu diesem Aspekt hier einige Gedanken beisteuern.

Schrift kommt (immer noch) von *schreiben – und nicht von *abschreiben oder *tippen. Unsere Druckschrift ist geronnene Schreibschrift. Das heißt: was man schreiben kann, kann man auch drucken (also in Typographie ummünzen). Betrachtet man die beiden handschriftlichen Beispiele in meiner Dokumentation (auf S.3, MEIßNER und TODESSTOß), dann ist schon frappierend, mit welcher Selbverständlichkeit hier zwei von typographischen Erwägungen unbedrängte jeweils ein versales ß geschrieben haben, und zwar, mit Verlaub: in VOLLENDETER Weise. Nun kann man sich freilich ignorant hinstellen und sagen, ja, die haben keine Ahnung, die haben es einfach falsch gemacht. Aber es gibt einen Unterschied [und auf den kommt es hier an] zwischen *nicht regelrecht* und *falsch*. Längst nicht alles, was nicht den Regeln, resp. Vorschriften, entspricht, ist wirklich falsch.

Ob die Orthographen das große ß eines Tages sanktionieren, wird auch davon abhängen, ob WIR nachweisen können, ob es geht oder nicht. Ich behaupte, es geht. Man muß sich etwas hineindenken. Dazu mögen die dokumentierten Beispiele helfen.

Das große ß kann auf verschiedenen Graphen aufgebaut werden (wie z.B. das R oder das J) und es kann, abhängig vom Schriftduktus, verschiedene Ausprägungen erfahren (Verteilung der Gewichtung, Kurvenformung, Endungen, Serifen etc.). Ein großes ß müßte in seinen Details den Charakteristika der Schrift entsprechen (siehe jeweils S, B, aber auch U, J, Z, G oder F) und es muß gleichzeitig immer als *geschriebenes* (!) Zeichen gedacht werden. Ich stelle hermit einen eigenen Versuch an acht Schriften zur Diskussion.



Um die Frage nach der Formung beantworten zu helfen, habe ich die beiden Dokumentationen zur Verfügung gestellt. Hier kann sich jeder ein Bild davon machen, was geht – und was eher nicht.

Es fällt doch auf – und ich möchte diesen Aspekt mal etwas stärker in den Fokus der diskutierenden Gemeinde stellen –, daß die eigentliche Entwicklung, die sich in der Sache zur Zeit abspielt, von unbedarften Laien und von STEINMETZEN – und nicht von den »Designern« getragen wird. Steimetze sind nun aber ganz und gar nicht unbedarft, im Gegenteil. Sie haben gegenüber uns Schreibmaschinensklaven einen fundamentaltypographischen Vorteil: sie sind nicht auf FONTS angewiesen! Bei genauem Hinsehen werden Sie feststellen, daß einige der Grabsteinlösungen – ziemlich gut sind. Dies sollte uns Textsatzfritzen mal etwas hellhörig machen, denn der Einfluß der EPIGRAPHIE auf die TYPOGRAPHIE wird gerne unterschätzt.

Zum Schluß noch zu Kollegen Reynolds (zit. v. Beitr. v. 1.6.):
»…das Eszett ist kein Buchstabe« – FALSCH. Es wird de facto seit längerem als solcher angesehen! Man könnte genausogut sagen: das W (»double-U!) ist kein Buchstabe. Niemand käme heute auf die Idee, das W nicht als Buchstaben anzusehen, nur weil es vor einigen Hundert Jahren mal als Ligatur u-u angefangen hat. (Auch das J ist übrigens KEIN BUCHSTABE, sondern nur ein verlängertes i).

»Es gibt kein großes Lang-S« – NICHT richtig. Es gibt die langgestreckte Form des S in Italien (z.B. Pompeji) seit der Antike (mindestens 1. Jh.), also in einer Phase, als es den Groß/Kleinbuchstaben-Unterschied überhaupt noch nicht gab. Es ist also falsch zu behaupten, die Existenz eines langen s ist an die Minuskeln gebunden.

»Man kann Sprache ändern … die Sprache schöner machen … visuelle Ebene … relativ oberflächlich.« Verzeih mir, lieber Kollege, aber Du kannst die Sprache nicht ändern. Sie ändert sich auch ohne Dich :–) Und es geht nicht darum, etwas ›oberflächlich schöner zu machen‹. Aus diesem Absatz spricht eine unreflektierte Geringschätzung des Visuellen als Repräsentation des Lingualen. Für mein Verständnis eine für einen Typographen sehr bedenkliche Einstellung. Wir sind keine »Dekorateure«, sondern wir haben der Sprache ein angemessenes Kleid zu geben. Nur darum geht es.

Andreas Stötzner

 
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  erstellt am: 3.6.2005 um 13:32
Hallo Andreas,

»…das Eszett ist kein Buchstabe« – FALSCH. Es wird de facto seit längerem als solcher angesehen! Man könnte genausogut sagen: das W (»double-U!) ist kein Buchstabe. Niemand käme heute auf die Idee, das W nicht als Buchstaben anzusehen, nur weil es vor einigen Hundert Jahren mal als Ligatur u-u angefangen hat. (Auch das J ist übrigens KEIN BUCHSTABE, sondern nur ein verlängertes i).

W ist schon seit mindesten Zweihundertjahren eine Buchstabe. W als V V zu schreiben wäre falsch. Man kann nicht schrieben, "uuas ist das?" oder "vvas ist das?" Mann kann aber doch das ß mit "ss" ersetzen.


Obwohl ich eine Sprache nicht persönlich direkt ändern kann, Sprachen ändern sich ständig. Das ist von ganze Gemeinschaften und/oder kleine Gemeinde gemacht. Mein Punkt war, dass es "möglich" ist, das große ß durchzusetzten. Aber ich finde es unsinnvoll. Das große ß ist weder ein Teil der deutschen Sprache noch Schreibsystem. Wie Jürgen geschrieben hat, ß = SS.

Ich verstehe es nicht, den Wünsch ein großes ß zu erschaffen.

 
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  erstellt am: 3.6.2005 um 15:54


Besonders bei Kapitälchen und bei entsprechenden Worten fällt eine Verdopplung von ß in ss besonders unangenehm auf, vor allem, wenn nunmehr statt zweier (und prinzipiell stimme ich da völlig mit Ralf überein&hellip plötzlich drei s nacheinander geschrieben werden sollen.
Das sieht nicht nur völlig besch*** aus, sondern stimmt so ja auch gar nicht phonetisch überein. Ich habe in obiger Illustration mal verdeutlicht, was gemeint ist. Um wieviel eleganter schaut da das versale ß aus (hier in der Omnivox von preussTYPE). Wenn es den anderen Glyphen entsprechend angepasst wird (wie sich natürlich alle anderen auch entsprechend aufeinander beziehen), dann kann das versale ß auch nicht mehr für ein B gehalten werden. Daß Stötzner und ich zu ähnlichen Lösungen kommen ist sicher kein Zufall. ;-)

--
Wer meint, er verstehe was von Schrift, weil er es ja lesen könne, irrt
sich gar sehr. (Jan Tschichold)

 
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  erstellt am: 3.6.2005 um 18:03
quote:
Daß Stötzner und ich zu ähnlichen Lösungen kommen ist sicher kein Zufall. ;-)


Sehe ich auch so. Ich sehe kaum eine anderen sinnvollen Aufbau, als den, den du hier zeigt.



Aber warum ist den der schräge Ansatz (rot) so furchtbar dick? Sollte der nicht annähernd mit den Schrägen der anderen Buchstaben (grün) korrespondieren? Gerade in den kleinen Größen fleckt der Buchstaben oben doch schon ziemlich.

Ralf

 
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  erstellt am: 3.6.2005 um 19:16
quote:
Aber warum ist den der schräge Ansatz (rot) so furchtbar dick?

Ich habe natürlich vorher verschiedene Möglichkeiten probiert. Eines, welches dem von dir vorgeschlagenen ziemlich nahe kommt kann man in dieser Abbildung sehen:



Ich habe mich aber dann ganz bewußt für die fettere Variante entschieden. War und bin der Meinung, daß der fettere Strich einen harmonischeren Buchstaben schafft, der auch (und gerade) in kleinen Größen (für den diese Schrift gemacht wurde) besser identifizierbar ist. Ist der Strich dünn, wird bei 6 pt nur der senkrechte Aufstrich und der rechte Boden gesehen. Oben rechts ist optisch ein Loch, das die fettere Verbindungslinie vermeidet. Außerdem entsteht bei der dünneren Linie eine recht große Punze, die ich nur mildern könnte, wenn der Ansatz von linkem Stem zum Bogen weiter unten anfängt – was einen völlig anderen Eindruck schafft.

Ich lasse mich aber gerne eines Besseren belehren…

Außerdem wollte ich einen bewußten Kontrast zu meinem ’normalen’ ß (übrigens auch eine sehr interessante Form, die den Ursprung dieser Glyphe als Ligatur aus langem und kurzem s gut erkennbar macht), um das ’Germandbls.sc’ eindeutig als versalen Buchstaben erkennen zu machen.

Es sollte zu keiner Zeit eine Verwechslung mit einem versalen B möglich sein. Das ist auch der Punkt, den ich bei der Form der Adana ein wenig kritisiere, auch wenn mir die von Andreas gefundene Form natürlich außerordentlich gut gefällt. Aber die Adana ist eine völlig andere Gestaltung als meine. Das sollte man natürlich auch bedenken.

Ich habe die Beispiele nochmal in einem weiteres Bild angefügt:



Ich möchte nochmal zusammenfassen: Es geht in dieser Diskussion hier m.E. um Feldforschung am lebenden Objekt. Es geht um die prinzipielle Möglichkeit, einen Buchstaben zu schaffen, der von anderen unterscheidbar und dennoch Teil vom Ganzen ist. Dieser Buchstabe muß natürlich neben der archetypischen Form immer individuelle Anpassungen an die Gestaltung des jeweiligen Alphabetes erfahren.

Ein versales ß in der Bodoni muß zwangsläufig anders ausschauen als das in der Meta. Und dennoch sollten beide Formen einer eigenen (noch zu definierenden) Gesetzmäßigkeit folgen, wie ein B, ein S oder ein F.

Es muß also ein versaler Buchstabe sein.
Er darf nicht mit einem B verwechselt werden.
Er muß sich…

Ja, was muß er prinzipiell…?

[preusss]

--
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  erstellt am: 3.6.2005 um 21:47
Schöne Beispiele, Ingo. Aber das sind immer noch Minuskeln – Ligaturen aus lang-s und rundem s. Die werden im Versalsatz immer fremd aussehen, weil die Formensprache komplett anders ist.
Ich habe nichts gegen drei S hintereinander. Dann müssten Dich ja ffl, fft, etc-Ligaturen auch fast stören.

Zitat:
"Das ist weder einen Schulkind noch der breiten Masse vernünftig zu erklären.
Meiner Vermutung nach, würde sich speziell letztere überhaupt nicht über eine Einführung eines Versal-Eszett wundern, da den meisten dessen Abwesenheit nie wirklich bewusst war." (Ralf)

Wie wärs mit einem Volksentscheid? ;-)

Zitat:
"Weil das – spätensten mit der neuen Rechtschreibung – ein haarsträubendes Konstrukt ist.
Gruß hat ein Eszett und wird also mit langem Vokal gesprochen.
Kuss hat ein Doppel-S und wird also kurz gesprochen." (Ralf)

Man lernt lesen aber zuerst mit Großkleinschreibung. Somit ist man sich der Aussprache bewusst.
Die Engländer haben haufenweise Wörter und Silben die gleich ausgesprochen werden, aber völlig anders geschrieben. Was die auseinanderhalten können, können wir doch auch, oder? Am Ende landen wir sonst beim nächsten Versuch einer neuen Lautschrift.

Da es schon Bestrebungen gab, ß komplett abzuschaffen, muss man nicht nachträglich quasi zur Legitimation einen großen Bruder erschaffen. Die Schweizer leben schon lange ohne ß. Ich glaube nicht, dass es ihnen geschadet hat. Auf welcher Pisa-Position stehen die gleich? ;-)

--
|| Jürgen Weltin

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  erstellt am: 4.6.2005 um 08:05
quote:

Wie wärs mit einem Volksentscheid? ;-)



Wie gesagt, dem würde ich gelassen entgegensehen. Die einzigen strikten Gegner würden wahrscheinlich nur die Grafikdesigner sein, die um die Herkunft des Zeichens wissen.

quote:

Die Engländer haben haufenweise Wörter und Silben die gleich ausgesprochen werden, aber völlig anders geschrieben. Was die auseinanderhalten können, können wir doch auch, oder?



Ich finde nicht, dass wir uns an den Ungereimtheiten des Englischen ein Beispiel nehmen sollten. Dort wurde ja eben gerade versäumt, irgendwann mal einzugreifen.

In einer perfekten orthografisch/typografischen Welt, in der keiner Versalsatz benutzt und sich jeder des Unterschiedes von Eszett und Doppel-S bewusst ist, müsste man die ganze Diskussion wahrscheinlich auch gar nicht führen.
Fakt ist aber, dass der jetztige Status Quo mehr Schaden anrichtet als er nützt. Im öffentlichen Raum sieht man momentan fast mehr falsche Anwendungen als richtige. Wenn nächstes Jahr die Fußballweltmeisterschaft ansteht, werden uns »Fussball« und »FUßBALL« wieder um die Ohren fliegen. Übrigens sehe ich gerade in der bis jetzt korrekten Auflösung von Eszett zu Doppel-S im Versalsatz den Auslöser, dass in der Kleinschreibung dann eben auch immer öfter Doppel-S auftaucht (Man kennt es ja so). Das kann also noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

quote:

Die werden im Versalsatz immer fremd aussehen, weil die Formensprache komplett anders ist.



Ich denke, wenn wir in unserem Alphabet Stierköpfe, Häuser und Wellenlinien in einen Kanon bringen konnten, würde das auch mit einem Versal-Eszett gelingen können.

Times New Roman:

 
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  erstellt am: 4.6.2005 um 08:05
quote:
Ich habe nichts gegen drei S hintereinander. Dann müssten Dich ja ffl, fft, etc-Ligaturen auch fast stören.


Also Jürgen; mach uns doch bitte kein X für ein U vor… :-)

Nein, diese Ligaturen stören mich nicht, denn diese haben (hatten) eine ganz praktische Ursache. Durch das Überhängen der Tropfen beim f brachen diese gerne ab, weshalb man sie gerne mit dem nachfolgenden Buchstaben zusammen auf einen einzigen Kegel goß. Das hatte auch den optischen Vorteil, daß eventuell entstehende Löcher vermieden werden konnten und das ist der Grund, weshalb sie noch heute verwendet werden. Auch wenn die eigentliche Ursache verschwunden ist.

Diese ’Ligaturen’ (Zusammenfügungen, Legierungen) haben also keine phonetische Ursache. Daß das ß eine derartige Gewichtung erhalten hat (mit zum Großteil rein phonetischer Begründung der Anwendung) ist ebenfalls das Resultat der neuesten Rechtschreibreform, auf die ich hier nicht eingehen möchte. Daß es sowas wie eine ’rechtsverbindliche’ Recht(!)schreibung gibt ist ebenfalls noch nicht sehr alt. Erst seit 1901 und auf der Basis des (privaten) Wörterbuches des Lehrers Konrad Duden.

Daß Antiqua-Schriften ein ß enthalten mußten ist das Resultat eines Beschlusses vom 23. März 1903, dem etliche orthographische Konferenzen seitens Deutschlands, Österreichs und der Schweiz voraus gingen. Also so lange auch noch nicht her…

quote:
Da es schon Bestrebungen gab, ß komplett abzuschaffen, muss man nicht nachträglich quasi zur Legitimation einen großen Bruder erschaffen. Die Schweizer leben schon lange ohne ß. Ich glaube nicht, dass es ihnen geschadet hat.

Diesen Satz kann ich so nicht stehen lassen. Das ß ist der letzte typisch deutsche Buchstabe, den es in dem bunten Strauß der internationalen Buchstaben überhaupt noch gibt. Daß die Schweizer auf diesen Buchstaben verzichtet haben liegt sicher an der Dreisprachigkeit dieses Landes und den damit verbundenen Schwierigkeiten der technischen Umsetzung.

Auf ihn zu verzichten hieße, ein wichtiges Stücken deutscher Identität zu eliminieren. Unwiederbringliche, unerträgliche Normung. Warum dann nicht auch grundsätzlich auf die deutsche Sprache verzichten? Warum nicht amerikanisch-englisch als verbindliche Kommunikationsschrift/-sprache einführen? Es würde sehr vieles erleichtern und vereinfachen…

Ich kann mir auch beim besten Willen nicht vorstellen, daß die Grönländer überhaupt nur daran denken, auf ihr Thorn zu verzichten. Im Gegenteil… Das ist nur in Deutschland zu beobachten und sollte uns eigentlich schwer zu denken geben, daß wir ob der damit verbundenen Schwierigkeiten eher an Verzicht denken als daran, die Probleme irgendwie zu meistern – und sei es gegen den ’Willen’ der restlichen Welt.

Wir sollten uns da vielleicht auch etwas mehr an den Iren (nicht Irren&hellip orientieren.

Stötzner sprach es schon an: auch heute verwendete Glyphen wie das W und das U und das J waren ehemals nicht vorgesehen, sondern wurden an die Gegebenheiten angepaßt.

[preusss]

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  erstellt am: 4.6.2005 um 09:00
quote:
Ich denke, wenn wir in unserem Alphabet Stierköpfe, Häuser und Wellenlinien in einen Kanon bringen konnten, würde das auch mit einem Versal-Eszett gelingen können.


Wunderbares Zitat. Danke…

--
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  erstellt am: 6.6.2005 um 12:21
Zitat:
Also Jürgen; mach uns doch bitte kein X für ein U vor… :-) (preuss)

Du schriebst, drei S hintereinander sähen b*** aus, also ging es Dir zunächst um die Ästhetik. S ist ein wunderschöner Buchstabe, da kann ich auch mehr als drei hintereinander sehen. Wo ist dann also der Unterschied zu fft (die Überhänge außer acht lassend)? Hier wird zuoft Ästhetik und Phonetik verquirlt.

Zitat:
quote:
––––––––––&ndas h;––––––––––&nd ash;––––––––––& ndash;–––
Ich denke, wenn wir in unserem Alphabet Stierköpfe, Häuser und Wellenlinien in einen Kanon bringen konnten, würde das auch mit einem Versal-Eszett gelingen können.
––––––––––&ndas h;––––––––––&nd ash;––––––––––& ndash;–––
Wunderbares Zitat. Danke… (preuss)

Der Vergleich hinkt aber etwas: das war lange bevor es zum lateinischen Alphabet kam und dazwischen lagen einige große Schritte. Was Ihr jetzt aber machen wollt, ist ein ganz anderer Schritt: Ihr nehmt Veratzstücke aus unserem jetzigen Alphabet um daraus einen neuen zu machen. Und das Beispiel aus der Times überzeugt mich nachwievor nicht. Welcher Laie bitteschön erkennt hier den Unterschied zwischen einem bisherigen Minuskel-ß und dem jetzt vermeintlichen Versal-ß. Das wird ein lustiger Volksentscheid.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: ich bin nicht gegen eine Versal-ß-Variante. Aber so funktioniert sie nicht. Was ich mir besser vorstellen könnte wäre eine SS-Ligatur, wie auch immer die aussieht. Aber wer legt das fest? Bei einem Thorn ist die ’technische’ Beschreibung des Buchstabens einfach oder bei einem Eth. Und die Unterscheidung zwischen Minuskeln und Majuskeln ist eindeutig. Nicht aber bei Euren Beispielen. Da würde es auch ausreichen, ein Minuskel-ß auf Höhe und Strichstärke der Versalien zu bringen.

--
|| Jürgen Weltin


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  erstellt am: 6.6.2005 um 12:57
Jürgen,

es geht darum dem ß, welches defacto auch im Versalsatz benutzt wird eine versale Entsprechung zu geben. Ein "neues" Zeichen zu erfinden wäre unsinnig, da es als fremd angesehen werden würde. – Der Erwartungshaltung des Nutzers, Lesers ist hier zu entsprechen.

Wenn Du andere Ideen für Formen hast, dann poste sie bitte, denn genau darum geht es in diesem Thread. Du kannst das mal an deiner Finnegan zeigen.

ps. Bild an Ingo oder mich schicken! Wir binden es im Posting ein.

 
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  erstellt am: 6.6.2005 um 21:08
Hmmmmm,

es ist doch wohl so, daß das sz eine Ligatur aus zwei Minuskeln ist und bei Majuskeln durch zwei S präsentiert wird. Also muß doch wohl konsequenterweise ein neues Zeichen darauf zurückgeführt werden. Ein Versal-SZ kann ich mir nur als Ligatiur von zwei Majuskel-S vorstellen.

Der Aufruf kürzlich brachte mich dazu mit der Thesis zu spielen. Also hier meine bisherigen Ergebnisse.


 
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  erstellt am: 6.6.2005 um 21:16
Wenn ich morgen Zeit dafür finde, probiere ich es mal. Aneinanderkleben wie in Michel_M.’s Beispiel reicht nicht, wie man sieht.

--
|| Jürgen Weltin



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  erstellt am: 7.6.2005 um 11:10
So. Weiß nicht, ob das der Weisheit letzter Schluss ist. Aber das wäre ein Buchstabe, der erstens nicht störend aus dem Versalwortbild bricht, zweitens leicht nachzuvollziehen ist und drittens keine Neuerfindung darstellt.
Beispiel anhand eines Schnittes einer neuen Schriftfamilie von mir.



Beßte Grüße,
Jürgen

--
|| Jürgen Weltin




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