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Zitate
Die Schrift ist der Grundstoff allen Druckwerks. Wer kein Auge hat für die Schrift, kann auch den Satz nicht würdigen. Die Schrift könnte und sollte der unmittelbarste, persönlichste Ausdruck unseres Formwillens sein.
--- Peter Jessen

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Für den Inhalt der Kommentare sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich.
Re: Das versale ß (Punkte: 1)
von typografie.info (webmaster_kein@Spam_typografie.info)
am 26 Mai 2005 - 12:24
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.typografie.info
Die Frage ist nicht, wie sich das Zeichen entwickelt hat, sondern welchem Zweck es heute(!) dient.
Gemäß aktueller Rechtschreibung unterscheidet die Verwendung von Eszett und Doppel-S ob ein Vokal vor der S-Laut lang oder kurz gesprochen wird - nur eben in der Versalschrift ist es völlig anders. Das führt den Zweck der Regel ad absurdum und verursacht die tagtägliche Falschschreibung.
Übrigens: Dass sich die Rechschreibung und die Form und Funktion von Zeichen wandeln oder völlig ändern ist seit Jahrtausenden so. Es wäre deshalb Unsinn, nur wegen der Schriftgeschichte an der bisherigen Regelung festzuhalten, wenn doch eine Änderungen Andreas' Sinn Millionen Deutschen das Schreiben erleichtern würde.

Ralf

http://www.typografie.info



Re: Das versale ß (Punkte: 1)
von Andreas (info at astype punkt de)
am 26 Mai 2005 - 12:25
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.astype.de
Die "Ritter", falls damit die Anwender gemeint sein sollten, sind in 99% keine Schriftgestalter. Ein versales ß wirkt genauso schön oder unschön wie etwa das Thorn im Isländischen und manch andere Sonderform die von meist Unkundigen bzw. nicht Muttersprachlern gestaltet werden müssen, weil sie in das Encoding eines Fonts gehören.

Da das ß oftmals, wie in Namen eine unabänderliche Größe ist, sollte ein angepaßte Versalform angeboten werden. Diese sollte auch ein entsprechenden offiziellen Unicode bekommen!

Ich kann mir sehr gut sicherheitsrelevante Beispiele vorstellen, in denen es zu folgenreichen Verwechslungen kommen kann, wenn z.B. eine Name mit SS, SZ oder B anstatt ß geschrieben wird.

Letztendlich ist die historische Herleitung für die akzeptierte Form eines Buchstaben von zweitrangiger eher akademischer Bedeutung! Es kommt vielmehr auf die Akzeptanz bzw. die faktische Nutzung durch eine relevante Bevölkerungsgruppe an und diese konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Wenn das Unicode Komitee für die Cherokee in Kanada oder afrikanische Minoritäten ganze Bereiche neuer Glyphen auf Grundlage weniger „Expertenmeinungen“ einführt, sollte dies für Deutschland bei nur einem Buchstaben kein Problem darstellen.


Re: Das versale ß (Punkte: 1)
von preusss (preuss AT typeforum DOT de)
am 26 Mai 2005 - 18:04
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.preusstype.com
Was weiterhin völlig ignoriert wird: Daß Schrift IMMER auf Sprache basiert. Gibt es einen Buchstaben ß als Kleinbuchstaben (egal, wie man nun diese ehemalige Ligatur herleitet) und hat er seine Bedeutung (auch schönes Wort: Be-Deutung) - warum sollte ein Großbuchstabe des gleichen Lautes nicht ebenso eine Berechtigung haben wie der kleine Bruder...?

Entscheidend ist, daß ein Buchstabe benutzt wird - also BEDARF danach besteht. Fehlt dieser Bedarf, eliminiert sich der Buchstabe automatisch selbst.

Fehlt der Buchstabe trotz Bedarf, wird er weiterhin vermisst und abenteuerliche Zwischenlösungen werden verwendet (SZ, SS; SSS etc.), die dem Anlaß (phonetische Umschreibung eines Lautes) nicht gerecht werden können.

Im Übrigen schließe ich mich voll der Meinung Andreas an, daß es u.U. auch ein sicherheitsrelevantes Problem sein kann, KEINEN Buchstaben Versal ß zu haben.

[preusss]


Re: Das versale ß (Punkte: 0)
von stoetzner (as@signographie.de)
am 26 Mai 2005 - 21:33
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.signographie.de
Wer ignoriert jetzt was? Ritter der Schriftgeschichte sollten bedenken, daß unser heutiges Alphabet in mehrerlei Hinsicht nicht »das Lateinische« ist: die Lateiner kannten keine Kleinbuchstaben und Sie kannten kein J, kein U, und kein W. Von Eth und Thorn sowie Dutzenden afrolateinischer Sonderformen ganz zu schweigen!. Also nochmal genau hinschauen und nachdenken. Auch das Alphabet entwickelt sich weiter, sogar heute, auch wenn Stillstand für manchen wohl für gottgegeben erachtet wird.
Daß das ß eine *Statusentwicklung* von der Ligatur zum als eigenständig aufgefaßten Buchstaben durchgemacht hat, ist angesichts der allgemeinen Praxis in diesem Land nicht zu leugnen. Die Frage ist nicht, ob dieser Buchstabe existiert, sondern: ob man ihn akzeptiert. Ob man das große ß einsetzen möchte oder nicht; wie dieser Buchstabe aussehen soll/kann – das sind immer noch zwei verschiedene Fragen.
Und apropos Unicode: die haben schon ganz anderen Unfug mitgemacht :–)


Re: Das versale ß (Punkte: 1)
von MiCHi (michi AT typolis DOT de)
am 27 Mai 2005 - 01:27
(Benutzerinfo | Verfasser PM schreiben) http://www.typolis.de
Ein ziemlich kontroverses, wie auch polemisches Thema.

Sinn machen, würde eine Versalform des ß durchaus.

Was in erster Linie gegen eine Aufnahme des Versal-ß im Unikode spricht ist die Gewohnheit. Gibt es nicht, brauchen wir nicht. Dann der historische Kontex: eine Ligarur aus den zwei gemeinen Lang- und Rund-s (wobei es von erstgenanntem noch nichteinmal eine Versalform gibt).
Also alles Argumente, die ziemlich leicht zu wiederlegen/entkräften wären.

Allerdings habe ich noch nie eine befriedigende Form eines solchen möglichen Zeichens gesehen. Entweder handelt es sich um angepasste Minuskelformen, oder das Zeichen ähnelt zu stark dem Verasl B.
Zur Aufnahme im Unicode muss auch die Form des Zeichens beschrieben werden. Für mich der größte Stolperstein.

Die Diskussion über das Versal-ß verspricht also weiterhin Spannend zu bleiben.